MenEater 1/4 – Im Fastphoneshop

meneater_ch1Nein, es war nicht die Zeit für einen neuen Bikini. Angesichts der Tatsachen, dass sie die nächsten Wochen absolut störungsfrei genießen konnte, sollten es zwei neue Bikinis, plus Flip Flops, unverzichtbare Peeptoes und das dazugehörige Sommerkleid, Shorts und noch ein paar mehr Sommergoodies sein, die aus substantiellen Gründen angeschafft werden mussten und somit ihr Leben dem Gleichgewicht und ihr Bankkonto dem Abgrund etwas näher kam. Nachdem sie dann auch noch das zu Hause vergessene Vorsorge-Anbikiniti Age Carepaket und ein wenig Lipgloss besorgt hatte, fehlte nur noch eine Kleinigkeit, bevor die Fahrt sorgenfrei fortgesetzt werden konnte.

M takeawey entdeckte sie schließlich und schleppte sich samt ihren sperrigen Einkaufstüten in den Laden hinein. Allerdings war sie nicht die Einzige mit Bedarf auf eine neue Identität und Jess reihte sich in die Warteschlange ein.

Der Werbung nach, die sich neben der spärlichen Einrichtung an den Wänden wiederholte, war es der einzige „Fastphone-Shop“ den es gab. In nur 10 Minuten, (Wartezeiten miteinkalkuliert?) wurde man hier bedient. Gelangweilt vom Verkaufsgeschwafel eine gefühlte Meile vor ihr, ließ sie die immer schwerer werdenden Einkaufstaschen zu Boden gleiten und schaltete um in Stand-by-Modus.

Wie war das eigentlich passiert? Diese Hochzeit war von Anfang an das reinste Desaster! Warum musste ihr Martina unbedingt über den Weg laufen? Sie war seit langem eine mehr oder weniger gute Freundin und ehemalige Schulkollegin von Jess und Poppy. On-Off Freundschaft beschrieb ihre Bekanntschaft am ehesten. Diverse unbeantwortete Anrufe auf Jess Handy hatten aktuell für den Off-Status gesprochen. Doch dann lief sie ihr auf der Straße sozusagen direkt in die Arme.

Das Mühsame an Martina war die verdammte Eintönigkeit ihrer Gesellschaft, ihres Verhaltens und vor allem ihres Geredes. Erzählungen, Gespräche und überhaupt alles lief immer wieder nach Schema F ab und zumeist war Jess aktive Beteiligung an der Kommunikation kaum gefragt. Zumindest fiel es Martina nicht auf, wenn Jess kaum ein Wörtchen zum Gespräch beisteuerte. Vielleicht hätte sie ihr einfach einmal sagen sollen, dass es ihr scheiß egal war, ob wer auch immer, mit wem auch immer, was auch immer getan hatte und dabei nicht gerade vorteilhaft aussah. Ihr Leben könnte dann heute so viel einfacher sein.

„Möchtest du meine Brautjungfer sein?“, war damals die völlig aus dem Programm tanzende Überraschungsfrage. Wie harmonisch im Einklang würde sich ihr Magen heute fühlen, hätte sie damals einfach abgelehnt. Doch sie hatte zugesagt und es folgten harte Wochen der intensiven Hochzeitsplanung. Neben täglichen Updates zu Fort- und Rückschritten im Planungskomitee, trug Jess noch dazu die Verantwortung für das richtige Uringelb der Hochzeitstorte.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte ein junger Verkäufer und verscheuchte die Trübheit aus Jess Blick. Mit einer flinken Handbewegung deutete er Jess näher an den Verkaufstresen.

„Ähm, ich ähm … ich hätte gerne das Medium Paket“. Soweit hatte sie’s schon dank der Anzeigetafeln ausgewählt.

„Gerne, welches Handy darf’s dazu sein?“
Ahnungslos verzog Jess ihr Gesicht. „Irgendeine Empfehlung? Vielleicht ein Nokia?“
Als wäre er sich über Jess Sprache nicht sicher, verharrte der Junge regungslos und Jess entblößte sich weiter ihrer Unwissenheit.
„Es sollte nicht allzu kompliziert sein, aber zumindest das Notwendigste beherrschen, wie etwa … ähm … schnell telefonieren?“
Der junge Verkäufer wechselte das Standbein von links nach rechts und seinen Blick von starr in genervt.
„Wir von M takeaway machen keine Verkaufsberatungen, denn bei uns soll’s ja schnell gehen.“ Es folgte ein genervtes Seufzen.
„Abgesehen davon haben wir Nokia Handys längst nicht mehr im Sortiment.“
Nachdem er sie noch einige Male mit einem abschätzigen Blick auf und ab scannte, ließ er sich doch, vielleicht auch nur aus Mitleid, zu einer Empfehlung herab.
„Einen Moment.“ Er bückte sich kurz, brachte eine kleine Box zum Vorschein und entnahm daraus ein Mobiltelefon.
„Meiner Mutter hat seit kurzem dasselbe und ist sehr zufrieden damit. Es ist sozusagen das Einsteigermodell unter den Smartphones.“
Jess ignorierte die Nebenbotschaft und drehte das Telefon einige Male in ihrer Hand, als könnte sie damit alle Funktionen feststellen. Mit einem Nicken gab sie ihm ihre Kaufzusage bekannt. Der Junge unterbrach augenblicklich das Fingertrommeln am Verkaufstisch und fuhr gelangweilt im Programm fort:
„Darf es noch ein Zubehör sein?“
„Was können Sie mir empfehlen?“, fragte Jess mit herausforderndem Blick. Immerhin hatte sie im Gegensatz zu ihm, ewig Zeit und das genervte Stöhnen, dessen Quellen sich spürbar ausdehnte und alle paar Sekunden am Nacken zu spüren war, würde irgendwann auch aufhören.

Nachdem der Verkäufer sämtliches Hab und Gut von Zusatzkabel über Schutzfolie widerwillig ausgebreitet hatte, entschied sie mit nun ebenso gelangweilter Miene, dass sie eigentlich nur das Handy benötigte.

Da fiel ihr ein, dass es doch noch etwas Wissenswertes zu erkunden gab. „Hat das Ding auch Internet?“
„Selbstverständlich“, antwortete er knapp und beleidigt, wegen der Zusatzarbeit.
„Und kann ich mir auch die Rufnummer aussuchen?“
„Nein, das bieten wir erst ab dem Paket Large an, für ihr Paket wurde bereits eine Nummer zugewiesen, die hier groß auf der Verpackung steht“, sprach Satan Junior und warf gestresst einen Blick auf die Uhr. Jess gab ihm noch einen Moment Zeit, die Unordnung am Verkaufspult zu beseitigen und zückte dann ihre Kreditkarte.
„Ich brauche dann noch Ihren Namen, Alter, Adresse und eine Ausweiskopie bitte.“
Leicht gehetzt klickte er am Verkaufsterminal herum.
„Gibt’s denn kein Formular, indem ich meine Anmelde-Daten eintragen kann?“
„Nein, wir von M takeaway nehmen die Daten direkt auf und benötigen dann nur noch eine elektronische Unterschrift auf diesem epad“, mit seinem langen, knochigen Finger wies er auf das entsprechende Gerät.
„Damit ermöglichen wir eine schnelle und vor allem kundenfreundliche Abwicklung.“
Nervös kontrollierte er nochmals die Uhrzeit und setzte seine Finger zum Tippen an.
„Jessica Emma Sophia Sanders. Die Adresse lautet: 730 112 Biens, Am Hofplatz 59a. Das Geburtsdatum …“
„Einen Moment bitte“. unterbrach er, „den Namen habe ich noch nicht ganz, war das Jessika mit K und was kam dann, Sophie, Sophia …? Mehr Fragezeichen als Pickel standen auf seiner Stirn.

„Was halten Sie davon, wenn Sie meinen Namen und das Geburtsdatum einfach von meinem Führerschein abschreiben, sonst komme ich hier nie raus!“

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  2 comments for “MenEater 1/4 – Im Fastphoneshop

  1. 25. November 2013 at 15:49

    Wanna read more – do you publish every day?

    • admin
      28. November 2013 at 13:39

      Hi Bibi,
      unfortunatley not every day … but at least twice a week, as it’s not just copying but also perfect time to do a revision again, and again …:)

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