MenEater 2/1 – Seefunken sagt Hallo

meneater_ch2 Nach weiteren anstrengenden Minuten, durch die kurvenreiche Gegend hatte Jess es endlich geschafft und die unheimliche Straße hinter sich gebracht.  Ebenso hatte sie nun endgültig ihre letzten Kraftreserven aufgebraucht und freundete sich schon mit dem Gedanken an, die Nacht im Auto zu verbringen. In dieser verlassenen Gegend, war das wohl die einzige Möglichkeit zu nächtigen.

Der Nebel war fast verschwunden und nun erkannte sie auch die Lichter wenige Kilometer vor ihr. Eine Stadt, oder vielleicht auch nur ein Dorf, jedenfalls mehr Zivilisation als die letzten Stunden. Jess Anspannung lies deutlich nach, wohl auch deshalb, da sämtliche Glieder endlich auf etwas Ruhe hoffen konnten.

Willkommen in Seefunken!, las Jess an einem der vielen Schilder.

seefunken_ortsschildHeimat des Sonnen- & Mondfestes
Einwohner 7585

Jess fuhr weiter die Straße entlang, die den Anweisungen nach ins Zentrum führen sollte. Die Gegend erinnerte sie an Malnis. Viele Einfamilienhäuser, die meisten freistehend und mit kleinen Zäunen herum. Eigentlich ganz hübsch.
Als sich die Straße um einige Kurven bog, rückten die Häuser im Kleinstadtstil enger aneinander. Als hätte man erst gerade mit dem Pinsel darüber gemalt, wirkte alles sehr gepflegt und trotz ihrer Müdigkeit fand sie gefallen an dem Städtchen. Wenn sie jetzt noch eine Schlafmöglichkeit entdeckte, dann endete ihr erster Tag in Freiheit perfekt.

Pension Sissi, das war ihr Ziel, während sie nun langsam die Straße entlang fuhr, und den Blick von links nach rechts warf, um ja kein weiteres Hinweisschild zu verpassen. Vor ihr teilte sich die Straße um einen Platz. Sie erkannte eine Art Verkehrsinsel, die zu einem schönen Minipark gestaltet war. Auf der begrünten Fläche stand eine Holzlaube, die im Kreis um die Insel führte, mit darunter stehenden, passenden Bänken. Die Straße rund um den Platz, war mit Streifen bemalt. Eine Art Mega-Zebrastreifen, wie sie nun erkannte, der die Insel wie eine Zielscheibe heraushob. Nun bemerkte Jess auch das Pärchen, das knutschend und fest umschlungen die Idylle des Platzes nutze. Langsam fuhr Jess daran vorbei, um die beiden nicht zu stören. Dem Platz genau jeweils gegenüber, befanden sich zwei identische Gebäude. Das Rathaus zur rechten Seite und eine Schule zur linken. Hübsche Architektur, womöglich eines namhaften Jahrhunderts, schätzte Jess. Aufgrund der vielen Blumenarrangements, Rosenhecken, Tulpenbeete, Ziersträucher und Blumenkisten am Straßenrand entlang, übersah Jess fast die nächste Hinweistafel, doch zum Glück war diese gut beleuchtet.

Sisi’s B&B, 500 Meter gerade aus.

Hoffentlich hatte sie dort auch wirklich Glück. Es war bereits nach 21:00 Uhr und sie durfte nicht davon ausgehen, dass man hier an diesem abgeschiedenen Ort auf sie wartete. Dennoch hoffnungsvoll, stellte sie ihren Wagen die ausgewiesenen 500 Meter später, vor der Pension ab. Ihr staubiges Auto war das einzige das hier parkte, zumindest auf diesem Abschnitt, etwas weiter vorne, konnte sie andere Wagen erkennen. Vermutlich eine Stammkneipe. Ansonsten wirkte die Straße relativ verschlafen.
Verschlafen war auch die Pension. Kein Licht, die Tür war abgeschlossen und keine Klingel. Jess trat einen Schritt zurück. An sich machte die Pension einen netten Eindruck, doch nichts deutete darauf hin, dass jemand im Haus war. Beim genaueren Betrachten, im Licht der Straßenlaterne, bemerkte sie nun die außergewöhnliche Fassade. Der Länge nach holzgetäfelt und zweifärbig, in gelb-weiß, sah die Pension sehr einladend aus und man war schon gespannt, wie es wohl drinnen aussah, auch wenn Jess im Moment kaum wählerisch war. Am Fenster neben dem Eingang erkannte sie ein Schild. Vielleicht eine Nachricht für Gäste.

Wenn ich nicht hier bin, dann bin ich wahrscheinlich im Floppys!

Unter der aussagekräftigen Information stand zum Glück auch eine Telefonnummer.  Nach kurzem zögern, als hätte sie eine andere Option, wählte Jess die Nummer.
Es klingelte bereits einige Male, bis sich am anderen Ende jemand meldete. „Hallo, wer ist da?“ meldete sich eine Stimme die es mit dem melodischem etwas übertrieb. Im Hintergrund herrschte gute Stimmung, die es schwer machte sie zu verstehen. „Ähm, Hallo! Hier ist Jessica Sanders, ich bin soeben angekommen und suche nach einem Zimmer!“, beeilte sie sich mitzuteilen.
„Haben Sie reserviert?“ bekam sie barsch zur Antwort, doch noch gab Jess nicht auf. „Nein, leider nicht, ich bin zufällig hier eingetroffen und da es schon sehr spät geworden ist, dachte ich …“
„Schon gut, schon gut, Kleine“, hörte sie am anderen Ende.
Noch nie hatte sie jemand „Kleine“ genannt.
„Es kommt nur sehr selten vor, dass um diese Zeit noch jemand ein Zimmer braucht und schon gar nicht zufällig.“
Kurze Pause, ein hörbarer Schluck. Jess wagte sich kaum zu rühren, gebannt darauf wartend, ob sie nun ein Zimmer hatte oder weiter suchen musste.
„Sie gehören vermutlich zur Reisegruppe, die wegen dem Kuchenfest angemeldet ist.“
„Ähm, … eigentlich …“, stotterte Jess um sich zu erklären, war dabei aber zu langsam.
„Und woher kommen Sie? Wie lange wollen Sie den bleiben? – Johann! Bitte noch einen!“ Mit wem sprach sie nun? Jess war verwirrt.
„Nur für eine Nacht. Ich gehöre aber zu keiner Reise… “
„Ich bin im Floppys, kommen sie einfach her, wenn sie genauso müde sind wie sie sich anhören, dann benötigen sie sowieso erst mal ein gutes Essen und einen kräftigen Trunk, und das kriegen sie bei mir um diese Zeit definitiv nicht mehr!“, sagte sie in barschem Singsang.
„Ok“, antwortet Jess, nicht sicher ob sie alles verstanden hatte und noch immer unsicher ob sie nun ein Zimmer hatte oder nicht. „Wo finde ich das Floppys und wie ist noch mal ihr Name?“
„Ich bin Sisi. Aber niemals Sissal oder ähnliches!“, ermahnte sie.
„Das Floppys ist nicht weit von meiner Pension. Einfach nur die Straße entlang, ca. 100 Meter.“ Sisi unterbrach sich für einen weiteren Schluck, „Bis gleich!“
Das Gespräch war beendet.
Nur nicht weiter nachdenken! Essen, Alkohol, Bett – in dieser Reihenfolge, ohne weitere Umwege in den nächsten Minuten, das war das Wichtigste!

 

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