MenEater 2/3 – Onkel & Neffe

meneater_ch2Johann sah den beiden Frauen noch nach. Jess hatte Mühe, trotz ihrer doppelt so langen Beine, mit Sisi Schritt zu halten.

Sisi heckte etwas aus, das war klar und nicht das erste Mal. Er konnte bereits ahnen, worum es dabei ging und vielleicht machte es Jess sogar Spaß. Die Ablenkung und Auszeit die sie suchte, konnte sie hier durchaus finden, wenn auch nicht unbedingt in frei wählbarer Dosierung.

In Gedanken versunken, bemerkte er erst jetzt die zwei vertrauten Augen, die auf ihn gerichtet waren. Er hatte nicht bemerkt dass Dek, sein Neffe herein gekommen war. „Hi!“, sagten sie beide gleichzeitig

und Johann stellte ihm ein gekühltes Bier bereit. Er seinen Neffen sehr, schon als Kind steckten die beiden viel beisammen, wodurch sich eine enge Freundschaft entwickelte, die heute noch genauso stark war. Der Rest der Familie liebte es, die beiden über ihre äußerlichen und vor allem charakterlichen Ähnlichkeiten aufzuziehen. Im Prinzip waren sie auch nur durch Johanns immer grauer werdendes Haar zu unterscheiden.

„Bist du fertig geworden?“ fragte er Dek, der sein Bier mit wenigen Schlucken schon fast geleert hatte. „Klar. Die Tische sind nun alle wieder einwandfrei. Es war nicht viel zu tun, manche haben sich über den Winter etwas verzogen, aber das habe ich gerichtet.“
„Und wirst du nun morgen mitsteigern, ich denke die Jury rechnet dieses Jahr wieder fest mit deinem Einsatz!“
„Vermutlich nicht. Ich hab‘ noch wichtigere Dinge zu tun und werde erst später, wenn der Trubel vorbei ist kommen.“ Dek nahm einen weiteren Schluck Bier, als ihm einfiel. „Übrigens hast du gehört, auch Dr. Lola ist unter den Elf.“ Aufmerksam beobachtete er dabei die Reaktion seines Onkels und sprach weiter. „Es scheint dieses Jahr echte Probleme zu geben die Teilnehmeranzahl zu erreichen. Sollte ich doch zur Teilnahme gezwungen werden, werde ich mir wohl Lolas Kuchen schnappen!“
Johann kannte seinen Neffen zu gut, um sich nicht von seinen Anspielungen aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Vielleicht gibt es nun doch noch eine zwölfte Teilnehmerin. Ich weiß nicht ob Sisi es wirklich schafft, das Mädchen zum bleiben und vor allem zum mitmachen zu überreden. An ihrem Einfallsreichtum wird es aber wohl nicht scheitern.“
„Sprichst du von dem Mädchen das heute Abend hier auf angekommen ist? Bert hat mir schon vor der Tür über sie erzählt. Er meinte sie sein auf der Flucht …“
Johann schüttelte leicht verärgert den Kopf. „Blödsinn! Die Flausen habe ich ihnen in den Kopf gesetzt. Unglaublich dass das schon die Runde macht! Die Arme kam herein, ziemlich erledigt von einer langen Fahrt und die Idioten hatten nichts Besseres zu tun, als über ihr mögliches tragisches Schicksal zu spekulieren.“
Dek wunderte sich über Johanns Rage. „Das scheint dich aber ziemlich zu beschäftigen.“
„Du weißt doch wie sie sind!“ Verteidigte er sich. „Die konnten sie kaum aus den Augen lassen.“ Johann wusste nicht worüber er sich mehr ärgern sollte. Darüber, dass er allen diese idiotische Geschichte injiziert hatte, oder darüber, dass sie so gut angenommen wurde.
„Nun ist sie jedenfalls unter Sisi’s Räder geraten – du kannst dir in etwas vorstellen was das heißt.“
„Dann tut sie mir jetzt schon leid. Kennt sie hier denn überhaupt jemanden?“
„Denke nicht, sonst wäre sie wohl nicht bei Sisi gelandet.“

Johann gönnte sich und Dek ein weiteres Bier. Mittlerweile war etwas Ruhe im Lokal eingekehrt und sie konnten noch über die letzten Vorbereitungen für das morgige Fest sprechen. Wie immer lief das Meiste sowieso von alleine. Die Gewerbetreibenden kümmerten sich in der Regel recht gut um das Organisatorische. Die lokalen Bauern spendeten Grillhähnchen, Mais, Salat und Obst. Die Lebensmittelläden und Lokale bereiteten Sandwiches und Snacks vor, lieferten die Getränke und sorgten mitunter für den Verkauf. Die Schulband kümmerte sich um die musikalische Unterhaltung und die, die bei der Planung kürzer zum Zug kamen, sahen ihre Aufgabe wenigstens darin, den Absatz zu fördern.

Höhepunkt des Festes war die Versteigerung von leckeren Torten und Kuchen, samt ihren mehr oder weniger freiwilligen Herstellerinnen. Das Feilschen über Süßes hatte schon Tradition und der ganze Tag sorgte in der Regel für gute Einnahmen. Der Großteil davon, ergeht an die Ausstattung der Sportmannschaften des Gymnasiums. Ein weiterer Teil an die entstandenen Pärchen. Denn sobald am Abend die Dämmerung einbricht, nehmen die Teilnehmer der Versteigerung am romantischen Candle Light Dinner am Seefunken-Platz teil. Dazu wird der gesamte Platz hübsch arrangiert und abgesehen vom kulinarischen Hochprogramm, steht es den Pärchen frei, was auch immer zu tun. Das Geld, das den Pärchen durch die Versteigerung zugeteilt wird, muss jedenfalls in das zweite Date investiert werden, so ein Teil der jährlich detaillierter werdenden Veranstaltungsregelungen.

Weit weniger romantisch geht es bei der, offiziell missbilligten, Nebenveranstaltung zu. Dabei wird ziemlich rücksichtslos die Zukunft der zwölf Allianzen geschätzt und bewettet. Dauer, Intensität und Level, sowie mögliche Spätfolgen sind zumeist die beliebtesten Themen, über die man sich gerne die Köpfe zerbricht und Mäule zerreißt. Diverse Kämpfe mussten schon geschlichtet werden, wurde dabei die eigene Tochter unehrenhaft prognostiziert, oder die geheime Herzdame an einen Anderen zwangsverheiratet. Und doch war es immer wieder überraschend, wie viele der neunmalklugen Wetten aufgingen.

 

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