MenEater 2/4 – Gute Nacht

sisis_pension„Wie sieht es eigentlich mit deinen Patisserie-Vorlieben aus?“ fragte Sisi, als sie ihren Schlüssel aus der Tasche hervorkramte um die Eingangstür aufzusperren. Schweigend waren die beiden nach Hause getrabt, Sisi stets einige Schritte voraus. Jess war von der Müdigkeit längst wieder eingeholt und war über die Stille dankbar gewesen, doch Sisi hatte bessere Energiereserven.

„Ich liebe Schokokuchen und Himbeertorte, … am liebsten die von meiner Freundin …“

„Ich meine deine eigenen Backkünste!“, unterbrach Sisi.

Jess verneinte Kopf schüttelnd. „Zum backen sollte man mich besser nicht in die Küche lassen, …“

„Das hatte ich befürchtet!“ quasselte Sisi rasch weiter und versank sichtlich wieder in ihre eigenen Gedanken. Jess hielt abwartend den Atem an. Was wollte Sisi von ihr?
„Ich zeige dir dein Zimmer – im zweiten Stock – straßenseitig – es kommt aber kein Lärm rein. Die Fenster sind erst im letzten Winter erneuert worden, genauso wie die Badezimmer.“ Ohne Atempause brabbelte Sisi weiter. “Weißt du schon wann du morgen aufstehst, damit ich dir Frühstück richten kann, ich bin morgen früh ziemlich beschäftigt und muss deshalb alles gut einteilen. Möchtest du Eier zum Frühstück, Müsli, Obst …?“

„Ähm. Eier wären toll“, entschloss Jess sich rasch und bereute es zugleich. Als wäre das reine Antwort geben wichtiger als Sisi Spielraum für weitere Fragen zu geben.

Im Haus war es still, Jess fragte sich, wie viele Gäste hier wohl her kamen und insgeheim hoffte sie nicht die Einzige zu sein, um nicht die volle Aufmerksamkeit abzubekommen. Die Pension wirkte auch von innen nett und gepflegt. Nach dem Eingang befand sich ein kleiner Empfangsbereich mit PC, dem üblichen Papierkram daneben und stapelweise Touristenbroschüren. Sisi langte nach einem der Schlüssel vom Holzboard und machte sich eine Notiz auf eine der Unterlagen. „Den Eintrag kannst du auch morgen noch erledigen, sonst fällst du mir hier noch um. Ich weiß nicht ob ich es schaffe dich rauf zu tragen.“ Unsicher, ob letzteres ein Scherz war, folgte sie Sisi die Treppen hinauf in den zweiten Stock. „Hübsche Tapeten.“, keuchte Jess, um doch auch einmal etwas zu sagen. Die blassbunten Blumen an den Wänden waren ihr eigentlich egal. Hauptsache es war alles sauber und roch nicht nach Altersheim.

Jess schwor sich ab sofort wieder etwas mehr Sport zu betreiben. Während Sisi vor ihr leichtfüßig die Treppen hinauftrippelte, zog Jess ihre Bleifüße einen nach dem anderen hinauf und schleppte sich den Handlauf entlang. Irgendwann nahmen die Treppen schließlich ein Ende, wenn auch erst knapp vor dem Atemstillstand.

„Also, wie du siehst, eigenes Badezimmer, großes Bett, Fernseher, Tisch, Sessel, alles da!“, präsentierte Sisi ihrem müden Gast. Jess sah sich ein wenig um, während sie erneut von Sisi gescannt wurde. „Möchtest du vielleicht noch unten mit mir einen Tee trinken?“

„Nein, vielen Dank. Ich kann kaum mehr meine Augen offen halten.“, sagte sie vorsichtig. „Das Zimmer ist wirklich sehr schön, ich denke hier werde ich sehr gut schlafen.“ Höflich versuchte sie die Hand an die Tür zu legen um Sisi damit aus dem Zimmer zu bekommen.
„Dann lass ich dich jetzt alleine. Ein langer Schlaf wird dir sicher gut tun. Alles Andere können wir dann morgen regeln.“ Verdammt, daran hatte Jess gar nicht gedacht. Wie peinlich. Natürlich wollte Sisi die Bezahlung sicherstellen …

Als die Tür zuging, ließ sie sich sofort auf das riesige Bett fallen, dass unter ihrem Körper angenehm nachgab. Strampelnd entledigte sie sich schnell ihren Schuhen und Socken. Endlich ein Bett, endlich Ruhe.

Auf der Suche nach ihrem Handy leerte sie den Inhalt ihrer Tasche über der Tagesdecke aus. Poppy wartete sicher auf einen Anruf, doch dafür hatte sie kaum mehr die nötige Kraft. Sie entschied sich für eine schnelle SMS und versprach sich morgen Früh wieder zu melden.

Nun nur noch schnell Waschen, Zähne putzen und das war’s. Doch soweit schaffte sie es nicht mehr. Vollständig bekleidet schlief sie sofort ein.

 

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