MenEater 3/1 – Wet Dreams

meneater_chapter3Jess öffnete langsam die Augen und blinzelte in Richtung Lichtquelle. Sie hatte wieder einmal vergessen, die Vorhänge zu schließen. Ihr Kopf dröhnte. Waren es wieder zuviele Daiquiries gewesen? Sie griff sich an die Stirn und schlug dabei die Decke zur Seite. Ok, hier stimmte etwas nicht. Sie war nackt.

Ein Blick durchs Zimmer ließ den verbleib ihrer Kleidung erkennen. Der pelzige Geschmack auf ihrer Zunge war eindeutig schlimmer als an regulären Tagen. Dies deutete in der Regel auf ein intensives Gelage mit Poppy. Ihre Nacktheit war damit allerdings nicht zu erklären. Vorsichtig versuchte sie aufzustehen und den Kopf dabei nicht mehr als zwingend notwendig zu bewegen. Langsam tastete sie sich an die Bettkante heran, doch da bewegte sich etwas neben ihr. Oder war sie das selbst gewesen? Nochmals bewegte sich die Decke langsam auf und dann gleich wieder ab. Nein, das kam nicht von ihr, hier atmete etwas. Jemand.

Vorsichtig zog sie etwas an der Decke. Es brauchte nicht viel und sie erkannte alles was sie wissen musste und zugleich nicht wissen wollte.
„Was machst du hier!“, schrie sie wütend das noch schlafende, blasse Gesicht von Martin an. Eine weiße Spur, deren Quellen seine beiden Mundwinkel waren und sein zufriedenes Babyface gaben dem Begriff „Wet Dreams“ einen neuen Sinn. Jess war bereit sich zu übergeben. Doch zuvor musste sie Martin aus ihrem Bett bekommen. Was war nur passiert? Sie hatten es doch nicht etwa miteinander getrieben? Oder doch? Jess schluckte das grausige Gefühl hinunter.
Noch immer regte er sich nicht und sabberte weiter komatös ihr Bettlaken weiter voll. Nochmals startete sie den Versuch ihn wach zu kriegen und schlug auf seine nackte Hühnerbrust.
Zugleich zog sie an einem greifbaren Ende der Decke um sich dahinter zu verstecken.

Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht öffnete Martin nun endlich langsam seine Augen und kratzte sich mit einer Hand im Bereich seiner losen Mitte.
Im nächsten Moment hörte sie ein dumpfes Pochen. War das an der Tür?
„Jess! Frühstück ist fertig!“
Was ist hier los? Wer war das? Jess konnte weder das Geräusch lokalisieren noch die Stimme zuordnen. Oder doch? Irgendwo hatte sie diese Stimme doch schon gehört? War das ihre Mutter? Ein weiteres Mal wurde geklopft und dieses Mal weckte es sie vollständig auf.

Mit einem schnellen Ruck setzte sie sich im Bett auf und blickte sich im Zimmer um.
„Schätzchen kommst du dann?“, fragte und befahl die Stimme zugleich. Jess Herz raste, es dauerte noch einen Moment bis sie sich endgültig gefangen hatte. „Ja, ich komme gleich, einen Moment noch!“, krächzte sie schließlich und atmete tief durch um den Albtraum endgültig aus ihrem Kopf zu vertrieben.
Sex mit Martin – was für eine Horrorvorstellung. Das musste sie gleich Poppy erzählen und griff zu ihrem Handy. Doch zuerst frühstücken. Ihr Handy zeigte, dass es bereits nach 9 war. Zehn Stunden Tiefschlaf, die Kleidung die sie gestern Abend nicht mehr fähig war abzulegen, klebte dank des Albtraumes an ihr, wie eine ekelige zweite Haut.

Jess kletterte aus dem Bett. Der Inhalt ihrer Tasche, den sie bevor sie eingeschlafen war noch auf das Bett ausgestreut hatte, landete nun auf dem Boden. Vorsichtig stapfte sie daran herum, trat aber trotzdem auf ihre Haarbürste. „Autsch!“
Ebenso vorsichtig war sie einen Blick in den Spiegel. Etwas ausgeschlafener aber lange nicht frisch, sprach ihr Spiegelbild.
Eine Dusche und eine ausgewähltes Sortiment an teuren Kosmetikartikel sollten das rasch ändern. Doch das befand sich noch im Auto und musste deshalb warten bis siegefrühstückt hatte. Sie hatte Urlaub und konnte machen wozu sie Lust hatte.
Mit den Fingern versuchte sie ihr beleidigtes Haar zu richten. Doch der widerspenstigen Naturwelle war es nicht danach. Mit viel Pflege und Überredungskunst würde sie es später nochmals versuchen. Dank der Bürste, die auf ihrem Fuß Abdrücke hinterlassen hatte, schob sie ihre Mähne in ein Haargummi.
Mit zwei Fingern versuchte sie die Kleidung auf ihrem Leibe etwas auszuschütteln, doch das half nur wenig. Martin war daran schuld, dass es noch immer aus ihren Poren dampfte.

Unten angekommen, den Frühstücksraum dank des Duftes rasch gefunden, staunte sie nicht schlecht über das großzügige Angebot. Von Wegen Eier oder Müsli! Die waren zwar auch Bestandteil des Angebots, daneben gab es noch Schinken, knusprigen Speck und Käse, Muffins, frisches Gebäck, Obst und frisch gepresste Säfte. Nochmals grummelte ihr Magen in freudiger Erwartung.
„Kaffee nehme ich an?“, fragte Sisi, die plötzlich mit einer Kanne neben ihr stand. Jess nahm sofort und goss sich daraus ein. Ansonsten war es ziemlich ruhig im Frühstücksraum, nur zwei weitere Tische waren belegt. Einer davon mit einem Pärchen, mittleren Alters, das sich über den Wetterbericht in der vor ihnen aufgeschlagenen Zeitung unterhielt.
Ein weiterer Gast im Anzug, ebenfalls über die Zeitung gebückt, saß am Nebentisch. Schnell wünschte sie ihnen nachträglich guten Morgen. Ferngesteuert und abgelenkt vom Geruch des Specks, hatte sie vorhin darauf vergessen und damit sicher gegen die Hausregeln einer Frühstückspension verstoßen.
Alle drei wünschten ihr ebenfalls einen guten Morgen und beäugten sie von oben bis unten. Eigentlich sollte sie das mittlerweile schon gewohnt sein. Verlegen strich sie nochmals über ihr zerknittertes Shirt und zog das Haargummi fester zusammen. Doch damit konnte sie kaum etwas ausrichten.
Am Buffet türmte sie die Leckereien auf den Teller und hinterließ vor allem beim Speckvorrat ein Manko. Nach den ersten Bissen hatte sie Kraft ihr Umfeld ein wenig besser zu betrachten. Der Raum, wie der Rest der Pension, war geschmackvoll eingerichtet. Die Wände waren in einem matten, leichten Graublau gestrichen. Durch die weißen Vorhänge und die zahlreichen, weißen Bilderrahmen an den Wänden, wirkte der Raum hell und freundlich. Bevor sie sich ihrer Beute weiter zuwand, warf sie einen nähren Blick auf das Bild über ihrem Tisch. Es war ein Foto von der Stadt. Sie erkannte den runden Platz, an dem sie gestern vorbeigefahren war. Was sie gestern nicht bemerkt hatte, waren die vielen kleinen Rosenranken über und um die Laube herum. Zum Teil hingen sie sogar von den Querbalken herunter.
„Schön, nicht wahr?“, fiel ihr Sisi in die Gedanken. „Das Foto wurde erst letztes Jahr, etwa um dieselbe Zeit, gemacht. Es war das erste Mal dass die Rosen in diesem Umfang blühten und das war ganz schön viel Arbeit. Stefan – mein Mann – ist Gärtner und hatte sich die letzten Jahre darum gekümmert, dass die Ranken auch immer dorthin wuchsen, wo sie sollten.“
Jess nickte zustimmend. „Wirklich hübsch!“
„Ich dachte schon, dass ihm die Rosen wichtiger wären als ich. Oft hat er ganze Nächte dort verbracht um die Ranken zu entwirren, umzuleiten und festzumachen. Aber es hat sich gelohnt.“
Jess nickte nochmals und köpfte ihr Frühstücksei.
„Trotzdem brauchen sie nach wie vor sehr viel Pflege. Letzten Sommer hatte es bereits seit Wochen nicht mehr geregnet und mein Stefan stand jeden morgen um 4 Uhr auf, um jeden einzelnen Stamm ausreichend zu gießen und jede einzelne der kleinen Blütenköpfe noch extra mit Wasser zu besprühen.“ Seufzend wandte Sisi den Blick auf ihren mampfenden Gast zu.
„Vielleicht haben wir heute Glück. Wenn das Wetter so wird wie’s in der Zeitung steht, sollten die meisten heute Vormittag noch aufblühen. Das wird dir gefallen!“
Jess schluckte hinunter und nahm noch einen Schluck Kaffee. Vielleicht, konnte sie kurz halt machen, bevor sie die Stadt verließ. Sisi zuliebe. Das Frühstück war’s jedenfalls Wert.
„Du wirst begeistert sein!“, schwärmte Sisi weiter, als konnte sie ihre Gedanken hören. „Auch den Duft kann man schon weit erkennen. Little White Pet heißen sie übrigens. Schöner Name, oder?“
Nochmals nickte sie. Die Rosen waren also Sisis ganzer Stolz. Witzig, wie sehr sich diese resolute Frau in der Bewunderung von Blumen verlieren konnte.
Doch das sollte nicht die letzte Enthüllung der Vorlieben ihrer willensstarken Gastgeberin sein.
„Apropos Duft, kann es sein, dass du etwas ranzig riechst?“

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