MenEater 3/4: Wo zur Hölle …

meneater_chapter3Jess legte ihr Handy auf die Seite und versuchte ihre Gedanken zu sortieren. Dieser Idiot! Warum konnte er sie nicht in Ruhe lassen? Immerhin war er nun tatsächlich verheiratet. Jess konnte bloß hoffen, dass Martina das nicht erfuhr, denn das könnte ein böses Ende für sie bedeuten, oder für Poppy … Die Arme musste nun alles ausbaden. Jess beschloss bei Gelegenheit ein kleines Geschenk für Poppy zu kaufen, das hatte sie auf jeden Fall verdient. Das kurze Aufflackern von Heimweh, als sie vorhin mit Poppy geplaudert hatte, war wieder vollständig verflogen. Gut für die Fortsetzung der Reise.

Jess betrachtete ihr wirres Haar, das während des Telefonats getrocknet war und entsprechende Dimensionen angenommen hatte. Ihr Pony, zudem ihr Poppy geraten hatte, war nun bereits leicht ausgewachsen und berührte mit den Spitzen hin und wieder ihre Augenlieder, weshalb sie ihn lieber schräg über ihre Stirn schob. Auch den Rest der Mähne versuchte sie zu bändigen, wenn auch nur für kurze Zeit, denn spätestens nach ein bis zwei Stunden durchbrachen Ihre Haare jegliche Stylingarrangements. Um nun aber auch vor Sisi wenigstens ein kurzes Mal gepflegt zu erscheinen, gab Jess sich extra Mühe ihr Äußeres zu justieren. Das warme Wetter lies außerdem leichte Kleidung zu und Jess wählte stolz ihr neues schulterfreies Chiffonkleid. Die kräftige orange Farbe, passte ausgezeichnet zu ihrem dunklen Haar. Um die Taille wickelte sie einen violetten Gürtel, dazu noch die passenden Pumps und schon fühlte sie sich wieder gesellschaftsfähig, zumindest äußerlich.

Es was bereits Mittag und eigentlich war geplant noch am Vormittag weiterzufahren, um kiwigreen_meneater_jess_kleidkeinesfalls wieder mitten in der Nacht irgendwo zu stranden. Jess begann ihre Sachen wieder in ihrer Reisetasche zu verstauen und auch den Inhalt ihrer Handtasche wieder einzusammeln, nicht dass sie etwas Wichtiges vergaß. Angefangene Kaugummipackungen, Haargummis, der neue Beachblossom Lippenstift, Lippenpflege, Taschentücher, Kosmetikspiegel, Nagelfeile, Make-Up, Autoschlüssel sowie die obligatorischen Kondome, landeten wieder zurück in ihrer Tasche. Aber irgendetwas fehlte. Aber was war es? Das Handy steckte noch am Ladegerät … zur Sicherheit untersuchte sie nochmals das Bett, um auch garantiert nichts zu vergessen, aber da war nichts mehr. Auch unter dem Bett hatte sie bereits alles hervorgeholt. Eigentlich alles sauber, alles eingepackt. Nun musste sie nur mehr das Zimmer bezahlen und vielleicht doch noch einen kurzen Besuch bei Johann einplanen. Der ein oder andere Tipp zur Umgebung konnte nicht schaden. Jess griff nochmals nach ihrer Handtasche und nun bemerkte sie auch, wie ungewöhnlich leicht diese sich anfühlte. Es musste etwas fehlen! Die Geldbörse die in der Regel den meisten Platz in ihrer Tasche beanspruchte war nicht da! Noch etwas ungläubig durchsuchte Jess nochmals alle Fächer und Winkel der Tasche, doch sie fehlte. Auch das Zimmer stellte sich nun gründlicher auf den Kopf, irgendwo musste ihre Geldbörse doch sein. Erfolglose Minuten später, setzte Jess sich aufs Bett um nachzudenken, verzweifelt versuchte sie den gestrigen Tag wiederzugeben. Wann hatte sie ihre Geldtasche zum letzten Mal heraus geholt? Vielleicht hatte sie es im Auto liegen lassen, ins Handschuhfach stopfte sie es gerne mal hinein. Da fiel ihr ein, dass sie es gestern Abend in der Bar zum letzten Mal in der Hand hatte, als sie zahlen wollte. Vielleicht hatte sie es nicht ordentlich zurück gesteckt und es ist entweder gleich daneben- oder später heraus gefallen. Verdammt! Das wäre nicht das erste Mal dass sie gedankenlos mit ihren Sachen hantierte. Das sah ihr wieder ähnlich, eine weitere Katastrophe die sie sich gerne erspart hätte! Was machte sie nun, wenn die Geldtasche weg war? Jess machte sich weitere Vorwürfe. Ihre Mutter hatte wohl recht, dass die Schlampigkeit ihr Leben bestimmte. Noch dazu war gestern Abend war wohl die beste Gelegenheit, eine Geldbörse zu verlieren. Müde, erschöpft, verwirrt und dann hatte Sisi, die schon dringend gehen wollte noch ordentlich gedrängt.

Jess beschloss trotzdem nochmals im Ford nachzusehen, und dann in die Bar zu gehen. Vielleicht hat sie dort jemand abgegeben. „Bitte, bitte, lass sie dort sein! Bitte!“ flehte sie laut und verzweifelt in Richtung Zimmerdecke und verließ das Zimmer.
Auf den Treppen nach unten kam ihr Sisi entgegen. „Schätzchen! Wie hübsch du dich gemacht hast!“ Jess nickte verlegen, der freundliche Ton in Sisis Stimme würde schnell verfliegen, wenn sie ihr erklären musste, dass sie das Zimmer nicht bezahlen konnte. „Entschuldige Sisi, ich denke ich habe etwas wichtiges verloren und das muss ich unbedingt wieder finden!“ antwortete Jess so höflich es ging und huschte an Sisi vorbei, deren etwas starr gewordenen Gesichtsausdruck sie schon nicht mehr bemerkte.

Wie erwartet, war auch im Auto keine Spur von ihrer Geldbörse zu finden. Allerdings hatte sie immer etwas Reservegeld im Handschuhfach. Fast 20 Euro konnte sie immerhin zusammen kratzen, doch damit konnte sie weder das Zimmer bezahlen noch weiterhin ihren Zwangsurlaub vollstrecken. Nun blieb ihr nur noch die Bar als letzte Möglichkeit. Auf dem Weg dorthin suchte sie selbst den Gehsteig ab, aber die lilafarbene Ledergeldbörse war jemand anderem womöglich schon früher aufgefallen.

Vor der Bar angekommen, war ihr kurz danach das schöne Gebäude zu bewundern, in dem die Bar untergebracht war. Gestern Abend war ihr die mit Stuk verzierte strahlend weiße Fassade entgangen. Aber auch jetzt hatte sie keine Zeit für nähere Bewunderungen und hastete mit ihren Pumps die drei Stiegen hinauf. Als überraschend die Tür zum Lokal aufging und jemand heraustrat, prallte Jess unsanft mit dem Mann zusammen. Im Gegensatz zu Jess schien es dem Mann kaum unangenehm zu sein, obwohl sie mit ihrem Arm etwas gegen seine Weichteile geprallt war. Nachdem sie sich mehrmals dafür entschuldigte und der Mann ihr mindestens genauso oft versicherte, dass nichts passiert war, streckte er ihr die Hand entgegen, um sich vorzustellen. Jess blickte zum ersten Mal auf und sah ihrem gegenüber, etwas geblendet von dessen unnatürlich weißem Gebiss, ins Gesicht. Hellbraunes, etwas schütteres Haar, dessen Primetime schon eine Weile vorbei war, kleine schmale braune Augen und eine Menge Gesichtsbräune blickten ihr entgegen.
“Hi ich bin Eugen. Ich nehme an du bist Jess, richtig?“ Jess, die durch den Zusammenprall aus ihren Schuhen gekippt war, versuchte ihr Outfit wieder zurecht zu rücken und zu schieben, äußerte nur ein kurzes „Hi!“. Da der Typ nach wie vor den Weg zur Tür versperrte, versuchte Jess sich ungeschickt an ihm vorbei zu drängen. „Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe es etwas eilig!“, sagte sie ein weiteres Mal, als sie ihm auf den viel zu langen Hosensaum trat. „Kein Problem, wir sehen uns sowieso später bei der Versteigerung!“

Jess hatte keine Lust das Missverständnis aufzuklären. „Klar“ rief sie trotzdem und rollte genervt die Augen.

 

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